Die Streuobstwiesen

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts standen in der Gemarkung Rückershausen über 1200 Obstbäume, deren Früchte weit gehandelt wurden. Mit den Veränderungen in der Landwirtschaft (Flurbereinigung) und der abnehmenden Verwertung der Früchte verschwanden bis in die 70er Jahre die meisten Obstbäume.
Heute stehen in Rückershausen weniger als 50 alte Hochstamm-Obstbäume.
Dank der Pflanzaktionen der Gemeinde Aarbergen, des Obst- und Gartenbauvereins Rückershausen und privater Initiativen gesellen sich dazu weitere 120 junge Hochstämme mit alten Apfelsorten. Die Aktiven des Obst- und Gartenbauvereins haben dazu vor 10 Jahren die Idee einer Hochzeitswiese verwirklicht, die als Beispiel für praktischen Naturschutz direkt am Rad- und Wanderweg angepflanzt wurde.
Andere Rückershäuser Naturschützer waren 1990 bei der Gründung der “Streuobstroute im Nassauer Land” beteiligt, die weitere Anlagen von Streuobstwiesen unterstützt und vorhandene Streuobstflächen vernetzt, um dieses für das Nassauer Land typische und prägende Landschaftselement zu dokumentieren und zu erhalten. Neben dem Naturschutz geht es dabei um die Verbesserung der Lebensqualität und die Erhaltung der Kulturlandschaft, weiterhin um die Zusammenarbeit zwischen Naturschützern/innen, Schulen, Landwirten/innen, Keltereien, Gastronomie sowie natürlichen und juristischen Personen, die an der Erhaltung der Streuobstbestände interessiert sind. Weitere Ziele sind die Förderung des Naturschutzbewusstseins und des Verbraucherbewusstseins gegenüber regionalen, naturnahen Produkten bei der Bevölkerung, die Erhaltung der landschaftstypischen und artenreichen Streuobstwiesen und Streuobstbestände, der Erhalt und die Förderung der regionalen und kulturellen Identität, der Eigenart der Landschaft mit ihren historischen Bauten sowie die Verbesserung des Angebotes einer naturnahen Erholung in der Region.
Dafür stehen die Kelterei-Angebote in Rückershausen: Mit dem Kindergarten werden Keltertage veranstaltet, um die Erfahrung des selbstgepressten Apfelmostes zu vermitteln. Das gleiche Angebot geht an die Aarbergener Schulen, die in der Kelterei Projekttage verbringen, um die Freude und den Genuss an regionalen Naturprodukten zu erleben.
Die Kelterei bietet für alle Baumbesitzer der Region die Möglichkeit, bei der Herstellung ihres eigenen Apfelsaftes anzupacken und damit ihren Saftvorrat mitzunehmen. So wird es für viele Einwohner wieder sinnvoll, ihre Streuobstbestände zu pflegen: „Apfelsafttrinker sind Naturschützer“.