Festzug zwischen gruselig und putzig

473. Rückershäuser Markt im Musicalfieber / Geburtstagsständchen für den Landrat

Vom 26.10.2005

Von

Christian Stolz


Eine fast fünf Meter hohe Nachbildung des Turmes von Notre Dame hatte die Freiwillige Feuerwehr als Kulisse für den Glöckner gebaut.
Fotos: wita / Martin Fromme


Landrat Burkhard Albers feierte auf dem Rückershäuser Markt seinen Geburtstag und wurde von Kerbevadder Tobias Wölfinger (l.) und dessen Vorgänger Stefan Geier beschenkt.

RÜCKERSHAUSEN Zum 473. wird der Rückershäuser Markt gehalten. Für den schönen Festumzug fällt den Rückershäusern immmer etwas Neues ein. Gestern stand alles unter dem Motto "Musicals". Anatevka, Abba und der Klöckner von Notre Dame gaben sich ein Stelldichein der guten Ideen.

Die immerhin 4,80 Meter hohe Pariser Kathedrale von Notre Dame stach sofort ins Auge. Wie lange wohl mag die Freiwillige Feuerwehr daran gebaut haben? Auch der Galgen fehlte nicht, an dem die schöne Esmeralda, alias Saskia Plappert, durch den bösen Henker Björn Wölfinger sogleich gehängt werden sollte.

Ein ganzes Stück entspannter lief das französische Leben auf dem Motivwagen der Marktgesellschaft ab. Übersät mit roten Herzen kam da unter dem Motto "Moulin Rouge" die rote Mühle von Rückershausen daher. Selbstverständlich fehlten auch die "leichten Mädchen" in Gestalt zweier strammer Marktburschen nicht. Da mag folgender Aufruf an die Rückershäuser Frauen wohl angemessen gewesen sein: "Drum haltet Eure Männer fest, sonst landen sie im Liebesnest".

Die anderen Marktburschen und -mädchen hatten es sich zwischen bunten Bändern und jungen Birken auf ihrem Gemeinschaftswagen gemütlich gemacht und brüllten dem Landrat ein Geburtstagsständchen. Denn Burkhard Albers hatte es sich nicht nehmen lassen, an seinem Geburtstag den Aarbergener Marktflecken zu besuchen und in der Ehrenkutsche bei Ortsvorsteher Harald Gabel, Bürgermeister Hartmut Bopp und Marktvadder Tobias Wölfinger Platz zu nehmen.

Ebenso laut, aber melodischer hielten es die Aktiven des Turn- und Sportvereins auf ihrem "Abba"-Wagen. In schrillen Kostümen ließen sie die wilden 70-er wieder auferstehen. Die Kinder des Turnvereins unterdessen hatten sich in abenteuerliche Roben geschmissen und repräsentierten auf Inlinern die Eisenbahn-Welt des Musicals "Starlight Express". Die anderen zeigten wahrhaftige Dschungelatmosphäre aus dem "König der Löwen". Klar, dass auch eine "lebendige" Giraffe mit passendem Riesenhals nicht fehlen durfte.

Weniger wohnlich wirkte dagegen der Wagen des VdK-Ortsvereins. Denn immerhin spielt das Musical "Cats" auf einer Müllhalde. Umso putziger erschienen die herzallerliebsten "Kätzchen" zwischen leeren Blechdosen und alten Autoteilen im stilisierten Mondschein. Gruselig wurde es dafür noch einmal zum Schluss beim "Tanz der Vampire" mit dem gemischten Chor Phoenix. Der kleine Julian Valentin hatte es sich in einem Sarg gemütlich gemacht und schmiss allerlei Kamellen in die Menge am Straßenrand.

Fast eine Geschichtsstunde hielt dagegen der MGV mit dem Musical "Anatevka" ab, das sich mit dem Leben des jüdischen Milchmannes  Tevje im russischen Dorf Anatevka kurz vor der Oktoberrevolution befasst. Zur Holzhütte und den leeren Milchkannen passten bestens die Originallieder wie "Wenn ich einmal reich wär´" mit leicht jiddischem Akzent.

In den Straßen herrschte unterdessen allerlei Betriebsamkeit, während Feuerwehr und Polizei für Sicherheit während des Umzugs sorgten. Besonders zwischen den insgesamt rund 75 Ständen wurde es zuweilen ganz schön eng, wenn die Wagen mitten hindurch fuhren.

Dafür ist der Rückershäuser Markt immer noch ein Stück weit Fundgrube für kleine Besonderheiten: Egal ob heiß angepriesene Wundermittelchen oder aber hochwertige Haushaltswaren, beispielsweise ein gutes Küchenmesser oder Gerätschaften für die Landwirtschaft. Selbstverständlich fehlten auch die sonst auf den Märkten allgegenwärtigen Ramsch-Anbieter nicht. Glücklich zeigte sich der Marktausschussvorsitzene Rudi Schumacher dagegen darüber, dass man in diesem Jahr alle Plätze für Fahrgeschäfte und Co an nur einen Schausteller vergeben konnte. Schumacher ist der Mann, dem es obliegt, nicht weniger als 110 ehrenamtliche Helfer einzuteilen. Ohne sie wäre der Markt sicher schon längst tot.

Besonders lebendig ging es dann am gestrigen Abend im Bürgerhaus weiter. Zur Musik der "Teddys" feierten Junge und Alte aus der ganzen Umgegend ihren Markt, der dieses Jahr mit etwas besserem Wetter gesegnet war: Zumindest während des Festzuges blieb es von oben trocken. Heute Abend ist noch einmal Tanz ab 20 Uhr im Bürgerhaus.

Quelle: WIESBADENER TAGBLATT / AAR-BOTE

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