Märchenhafte Markttage an der Aar
Vom 01.11.2006
Von
Christian Stolz

RÜCKERSHAUSEN Der einzige namentliche Marktflecken im Kreis präsentierte sich gestern Mittag ganz "märchenhaft".
Wo sonst fahren Bürgermeister und Landrat in Begleitung des Marktvadders mit einer Pferdekutsche vorneweg.
Und auch sonst hatten sich die Vereine getreu dem Umzugsmotto "Märchen" liebevoll in Schale geschmissen.
Marktmädchen und -Burschen hatten sich besonders viel Mühe gegeben und wie immer zwei Wagen zusammengezimmert. Einen für die breite Masse zum Singen und Spaß haben und einen für "Schneewittchen" Cornelius Krusche, der mit langer Flattermähne und in Begleitung der "bösen Stiefmutter" Jan-Eric Hoffmann das Haus der sieben Zwerge bewachte.
Blickfang schlechthin war allerdings die Freiwillige Feuerwehr mit ihrem waschechten Nils Holgerson Reiner Merkel, der in 5,20 Metern Höhe vor einem Traktor auf einer Gans daher geritten kam. Ganz klein aber dafür allerliebst wirkten dagegen die Kinder des Turnvereins. In weißen Kostümen mit goldigen Sternchen stellten sie als Fußgruppe viele kleine Sterntaler-Mädchen dar und beschenkten die Rückershäuser mit süßen Zimtsternen. Die anderen TV-Kinder waren als sieben Geißlein auf ihrem Wagen unterwegs.
Keine Angst vorm bösen Wolf (Eckard Weilnau) hatte das bestens gelaunte Rotkäppchen Frank Thorn auf dem Wagen des Turn- und Sportvereins, den es in Rückershausen auch noch gibt. Und auch die die böse Hexe der Gebrüder Grimm (Brigitte Gorzawski) konnte den Kindern Hänsel und Gretel, dargestellt von Gina Feilbach und Marcel Wölfinger, keine Angst einjagen. Ganz tapfer verhielt sich Schneiderlein Klaus Walter, der im richtigen Leben Vorsitzender des VdK-Ortsvereins ist. Er unternahm die kleine Tour durch den Marktflecken frei nach dem Motto "Sieben auf einen Streich" gemeinsam mit zwei lebensechten "Fliegen". In der Märchenwelt durfte auch "Hans im Glück" nicht fehlen, der eigentlich Peter Lahr heißt und zum gemischten Chor "Phoenix" gehört.
Als der Umzug sich über die historische Aar-Brücke und zwischen den Ständen hindurch zog, wurde es stellenweise ganz schön eng. Doch das sind die Rückershäuser so gewöhnt. Außerdem wurde entlang der Friedrich-Ebert-Straße wieder all das geboten, was zu einem richtigen Krammarkt dazu gehört. Immerhin ist das Marktrecht in Rückershausen genau 474 Jahre alt und deswegen feiert man auch im kommenden Jahr Jubiläum. Auch in früheren Jahrhunderten war die Versorgungsfunktion des Rückershäuser Marktes bestimmt nicht alleine ausschlaggebend. Auch damals wurde schon kräftig gefeiert, genauso wie Marktvadder Kevin Lewis mit seinen Marktburschen und ihren Gästen am Abend im Bürgerhaus. Zum Tanz spielte der "Viola Dance-Express" aus Kaub am Rhein und sollte das Publikum wie jedes Jahr auch wieder zu der ein oder anderen Polonaise anstiften, die wie immer der Fahnenträger anführt.
Begonnen hatte der Markt, an dem alleine 110 ehrenamtliche Helfer der sechs im Marktausschuss organisierten Vereine beteiligt sind, bereits am Sonntagvormittag mit der in gereimter Mundart abgefassten Marktpredigt von Pfarrer Heiko Wulfert in der fast 700-jährigen Rückershäuser Kirche. Danach war Flohmarkt im Bürgerhaus.
Heute folgt wie immer der Frühschoppen. Um 14 Uhr werden traditionell der Bierkönig und die Äppelkornkönigin bestimmt. Die Kinder krönen unterdessen ihren Fantakönig. Abends ab 20 Uhr ist erneut Tanz im Bürgerhaus. Gegen 21.30 steigt dort die große Tombola der Kerbegesellschaft. Zu gewinnen gibt es dieses Jahr zwei Karten für das Musical "We will rock you" in Köln mit Übernachtung, und eine mobile Heim-Zapfanlage.
Besonders freute es den Marktausschussvorsitzenden Rudi Schumacher gestern Mittag, dass es gelungen ist, 15 weitere Schausteller zu gewinnen. Dazu hatte der Marktausschuss eigens auf dem Hahnstätter Markt Handzettel verteilt. Denn auch ein gut bestückter Vergnügungspark mit Karussell und Jahrmarktsartikeln gehört zu einem Rückershäuser Markt einfach dazu. Gar nicht markttypisch war dagegen das Wetter. Weder Regen noch Schnee - wie das alte Sprichwort sagt - hatten die Marktbesucher während des Umzugs zu befürchten.
Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/objekt_a.php3?artikel_id=3026122