Zeugnis von intaktem Gemeinschaftsleben
21.05.2007 - RÜCKERSHAUSEN
Von Christian Stolz
Brandschützer aus Rückershausen feiern Jubiläum
RÜCKERSHAUSEN Am Wochenende feierte die Wehr in Rückershausen ihr 75-jähriges Jubiläum mit einem großen Festkommers im Bürgerhaus.
Als Rückershausen im August 1857 - also vor genau 150 Jahren - beinahe komplett abbrannte, gab es dort noch keine Feuerwehr im heutigen Sinne. Erst ein Dreivierteljahrhundert später "beorderte" der Kreisbaumeister Becker aus Bad Schwalbach den Rückershäuser Bürgermeister Heinrich Löhr zur Gründung einer Feuerwehr. Jatz gabs das Jubiläum: Aarbergens Altbürgermeister Wolf Schrader, den man als Schirmherrn auserkoren hatte, legte den Schwerpunkt seiner Laudatio am Samstagabend bewusst auf die Geschichte. Er berichtete von jenen 20 Mann, die im Frühjahr 1932 gemeinsam eine Feuerwehr gründeten. Sie schafften sich Raum durch Um- und Neubau der Schule und begannen mit der Ausbildung an einer schon 1891 angeschafften Druckspritze. Der erste "Kommandoführer" war laut Chronik Wilhelm Meuser. Er machte seine Sache augenscheinlich gut. Denn noch vor dem Krieg erhielt die Wehr ein Belobigungsschreiben der nassauischen Brandversicherung für Einsätze in Schiesheim, Mudershausen, der Michelbacher Hütte und dem Rückershäuser Sägewerk. In der Stunde Null nach dem Krieg, bemerkte Schrader, war es kein Geringerer als der spätere Ehrenbürger und Heimathistoriker Karl Löhr, der die Geschicke der Wehr weiterführte und fast sein ganzes Leben dem Brandschutz widmete. Es folgte eine bewegte Zeit. In den 60er Jahren gründete Karlheinz Merkel die Jugendfeuerwehr, die mit zehn aktiven Kindern und Jugendlichen bis heute besteht. 1970 wurde das Feuerwehrgerätehaus gebaut, das in naher Zukunft durch einen Neubau ersetzt werden soll. Zwischenzeitlich, so die Erinnerungen des Altbürgermeisters, gab es auch schon mal Konflikte mit der Gemeinde, während denen die Rückershäuser stets ihren starken Willen zeigten. So wurde das vier Jahre lang heiß umkämpfte LF8-Löschfahrzeug schließlich doch angeschafft. Am Samstagnachmittag ehrten die Wehrangehörigen ihre Verstorbenen auf dem Friedhof an der Kirche. Einen Prolog sprach der junge Aktive Tobias Wölfinger. Abends würdigte Ortsvorsteher Harald Gabel seine Feuerwehrkameraden mit einem Schiller-Zitat und ging der "Kraft des Feuers" auf den Grund. Wie auch Karlheinz Ullius, der als Erster Beigeordneter den Bürgermeister vertrat, lobte er den guten Ausbildungsstand und die gelebte Geselligkeit der Wehr. "Ohne ihren ehrenamtlichen Einsatz gäbe es nichts zu feiern", sagte Ullius und versprach auch weiterhin die Unterstützung der Gemeinde bei der Aufrechterhaltung des Brandschutzes und der Ausrüstung der Feuerwehren. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Ernst-Herbert Haberstock, bemerkte unterdessen, dass die Rückershäuser Wehr im Vergleich zur Einwohnerzahl seit je her besonders stark sei. Frieder Rothenberger, Kreisbeigeordneter, der in Vertretung des Landrats ein Grußwort sprach, bezeichnete dies als Zeichen eines intakten Gemeinschaftslebens. Den würdigen Rahmen des Festabends nutzte man auch, um langjährige und besonders verdiente Feuerwehr-Aktive zu ehren und ihnen für ihr Engagement zu danken. Untermalt wurde der würdige und gut besuchte Festkommers durch Einlagen des MGV Rückershausen, des gemischten Chores "Phoenix" sowie durch das Salonorchester vom Musikverein in Zollhaus. Letzteres hatte feierliche, klassische Melodien wie einen Zusammenschnitt aus der Operette "Die Fledermaus" und Brahms´ ungarische Tänze im Gepäck. Am Sonntagmorgen bewiesen die Aarbergener Wehren ihre Einsatzbereitschaft während einer Alarmübung im alten Ortskern. Dabei wurde ein "Angriff" auf den nicht vorhandenen Brandherd im Anwesen der Kelterei Geier simuliert. Danach schloss sich ein Frühschoppen mit dem Musikzug aus Laufenselden im Bürgerhaus an. Zum Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten findet am Samstag, 16. Juni, gemeinsam mit dem 100-jährigen Turnverein aus Rückershausen ein großer Bunter Abend statt.
Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/untertaunus/aarbergen/5463369.htm