Rückershausen feiert drei Tage lang Jubiläum


18.10.2007 - RÜCKERSHAUSEN

Von Ilse Heindrich

Zwei Jahre Vorbereitungszeit / Marktrecht besteht seit 475 Jahren / Erstmals Feuerwerk und historischer Abend

RÜCKERSHAUSEN Vor 475 Jahren wurde dem Dorf Rückershausen, das sich heute als Aarbergener Ortsteil stolz Marktflecken nennt, von Kaiser Karl V. das Marktrecht verliehen. Ein Grund zum Feiern und sich auf den Rückershäuser Markt 2007 mit erstmals einem Feuerwerk, historischem Abend und historischem Markt (zusätzlich) besonders zu freuen.

Vor zwei Jahren begann ein aus dem Marktausschuss gebildeter Arbeitskreis um Sprecherin Sabine Krolop mit den Planungen und Vorbereitungen. "Jetzt steht alles", sagt der Marktausschuss-Vorsitzende Rudi Schuhmacher, es bleibe nur noch, auf gutes Wetter zu hoffen. Alle Vereine beteiligen sich nach Kräften, allen voran MGV, TV, TuS, Freiwillige Feuerwehr, der Chor Phönix und der VdK. An die 130 ehrenamtliche Helfer werden an den Festtagen vom 27. bis 31. Oktober alle Hände voll zu tun haben. Dankbar ist Schuhmacher nicht nur ihnen, sondern auch Manuela Schrader von der Gemeindeverwaltung für ihre Unterstützung, insbesondere bei der Vorbereitung des historischen Marktes.

Das Fest beginnt am Samstag, 27. Oktober, um 18 Uhr mit einem Historischen Rückershäuser Abend im Bürgerhaus, der die Vergangenheit in Erinnerung rufen soll. Rund 300 unter dem Motto "Markt im Wandel" zusammengetragene Bilder werden ebenso dazu beitragen wie ein Bauern- Büffet oder die Musik des Shamrock-Duos. Alt-Bürgermeister Wolf Schrader hält die Laudatio. Wie man hört, haben sich schon etliche Rückershäuser für den Besuch dieses Abends mit Gewändern, wie man sie in alten Tagen getragen hat, versorgt. Nach dem Gottesdienst mit Marktpredigt ab 9.15 Uhr in der evangelischen Kirche wird am Sonntag, 28. Oktober, um 11 Uhr unter Böllerschüssen der aus festlichem Anlass veranstaltete historische Markt eröffnet. An einem guten Dutzend Ständen am Bürgerhaus wird es vom Korbflechter bis zum Pferdeschmied oder vom Kunsthandwerk bis zum Verarbeiten von Schafsprodukten Interessantes zu sehen und zu kaufen geben. Der traditionelle Krammarkt am Dienstag, 30. Oktober, wird auch diesmal ab 10 Uhr viel Volk in die Straßen des Marktfleckens locken. Unter dem Motto "Historisches Rückershausen" steht der Marktumzug (ab 13.30 Uhr), für dessen Qualität und Ideenreichtum die Rückershäuser im weiten Umkreis bekannt sind. Spinnstube, Waschstube und Nähstube, Burgfräulein, Holzschneiderei und großer Brand - da haben sich die Vereine und Gruppen wieder viel einfallen lassen. Nach Musik und Tanz im Bürgerhaus wird gegen 22 Uhr erstmals ein Feuerwerk den Markttag beschließen.

Mit der Geschichte des Rückershäuser Marktes hat sich der unvergessene Karl Löhr ausgiebig befasst. Danach waren die Rückershäuser schon in der Gründungszeit "Grenzlandbewohner", denn hier an der Aar stießen die Territorialstaaten Nassau-Oranien, Nassau-Katzenelnbogen, Nassau-Usingen und Nassau-Idstein zusammen. Ihr Landesherr Philipus von Nassau-Idstein und Saarbrücken wandte sich um 1528 mit der Bitte an Kaiser Karl V., ihm zwei Kram- und Viehmärkte zu erlauben, einen in Usingen und einen in Rückershausen. Im Hinblick auf das Dorf an der Aar würde man heute wohl von einem Standortvorteil sprechen, weil damals jeder Grenzübertritt - und bei Märkten waren viele zu erwarten - die Kassen klingeln ließ. Doch Philipus musste vier Jahre warten, bis es so weit war, denn der die meiste Zeit in Spanien und nur wenige Wochen in Regensburg residierende Kaiser ließ ihm erst 1532 die ersehnte Urkunde zukommen. Sie ist auf der Rückseite des Programmflyers abgedruckt, und wer sie liest, könnte das heutige Amtsdeutsch für ein Musterbeispiel an Klarheit und Verständlichkeit halten.
Der Termin für den neuen, im weiten Umkreis einzigen Markt, wurde vom Kaiser auf Martini im November festgesetzt, doch 1914 verschob man ihn auf den letzten Dienstag im Oktober. Märkte waren in alten Zeiten für die Bevölkerung oft die einzige Möglichkeit, sich mit Lebensnotwendigem zu versorgen, eigene Erzeugnisse zu verkaufen und sich nebenbei auch zu vergnügen. Im Gefolge der Händler kamen Schauspieler und Akrobaten, Gaukler aller Art, Musikanten und Bänkelsänger und sicher auch etliche Spitzbuben. Ursprünglich wurde der Markt hinter der Kirche gehalten. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Stände in den Dorfstraßen aufgebaut. Gefeiert wurde in den Gaststätten, vor allem "bei Beckers" im Saal. Nach Gründung des Marktausschusses 1972 wurde ein Festzelt aufgebaut, doch seit 1978 steht für das Treffen in froher Runde das Bürgerhaus zur Verfügung.
Im Laufe der vergangenen 475 Jahre mag der Markt so manches Mal ausgefallen sein, denn es gab viele Kriege und anderes Unheil, wie für die Rückershäuser der große Brand im August 1857. Doch die Tradition blieb über die Jahrhunderte hinweg erhalten und wird nun vom Marktausschuss und somit von den Rückershäuser Vereinen mit großem Engagement gepflegt.

Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/untertaunus/aarbergen/5177942.htm

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