Alter Handelsplatz mit viel Tradition

Rückershausen feiert zum 475. Mal seinen Markt

Vom 29.10.2007

Von

Christian Stolz

RÜCKERSHAUSEN Was wäre Aarbergen ohne Rückershausen, ohne den Born, ohne das Trinkwasser aus der Bonscheuer und ohne den alljährlichen Markt? Altbürgermeister und Ehrenbürger Wolf Schrader brach am Samstagabend im voll besetzen Bürgerhaus eine Lanze für den Marktflecken, der seinem erst 2002 verliehenen Titel heuer zum 475. Mal gerecht wird. Zahlreiche Ehrengäste waren gekommen und feierten einen bravourösen, kurzweiligen Marktauftakt.

Zwei Tage lang hatte Schrader im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden verbracht und den Aar-Boten vom Jahr 1861 ab studiert - alles nur, um dem Jubiläumsmarkt mit einer ganz besonderen Laudatio gerecht werden zu können. Denn der Rückershäuser Markt ist eines der ältesten Feste im ganzen Kreisgebiet. In der Verkleidung eines historischen Schultheißen berichtete der Altbürgermeister von Marktfreiheit und Marktrecht, das Kaiser Karl der Fünfte den Rückershausen bereits 1532 verlieh. Schmunzelnd bemerkte er, dass dieser bürokratische Akt auch damals schon vier Jahre lang gedauert habe.

Laut königlicher Verordnung sollte der Markt an St. Martin stattfinden - eine Weisung, über die sich der Flecken erst 1914 hinwegsetzte und fortan den Markt am letzten Dienstag im Oktober abhielt. Rückershausen hatte in der Frühneuzeit durch seine Grenzlage zwischen drei unmittelbar benachbarten Herrschaften eine hohe zentralörtliche Funktion. So entwickelte sich der Markt schnell zum wichtigen Handelsplatz für Vieh, Wollzeug aus dem Einrich, Branntwein aus Dauborn, Steinzeug aus dem Kannebäckerland und Bier aus Diez und Idstein.

Nach einem Zeitsprung trug Schrader die Erlebnisse von Karl Satony vor, der im unmittelbaren Nachkriegsjahr 1947 Marktvadder war und dem interessierten Altbürgermeister aus dieser Zeit berichtet hatte: "Die Leute waren bitterarm und wer nichts hatte, der konnte auch nicht feiern", umschrieb Schrader und erinnerte an Originale wie Willi Holzhäuser und seine "Lebkuchesupp" und daran, wie die Marktburschen konfiszierten Rheingauer Wein beim Grenzpolizisten Herrmann gegen Rückershäuser Griebenschmalz eingetauscht hatten. Beste Wünsche für die Zukunft gab Schrader zum Schluss Marktvadder Cornelius Krusche und seiner Marktgesellschaft mit auf den Weg: "Ohne Euch gebe es heute wohl nichts mehr zu feiern", resümierte er und dankte der Jugend, allen Marktvätern und nicht zuletzt dem langjährigen Marktausschussvorsitzenden Rudi Schuhmacher für sein über 20-jähriges Geschick.

Zu den zahlreichen Ehrengästen zählte auch Landrat Burkhard Albers. Er nannte das Rückershäuser Marktgeschehen mit seiner typischen Atmosphäre "etwas ganz Besonderes im Kreis". An seinem eigenen Geburtstag war Aarbergens Bürgermeister Udo Scheliga nach Rückershausen gekommen. Klar, dass ihm der ganze Saal ein Ständchen brachte. In Verkleidung eines ehrwürdigen Aristokraten trat Ortsvorsteher Harald Gabel vor das Publikum. Er nannte den Markt, der durch das vier Tage lang andauernde Jubiläumsfest eine ganz besondere Würdigung erfahre, ein Zeichen für eine traditionsbewusste, aber dennoch weltoffene Gemeinschaft.

Untermalt wurde das Geschehen durch das "Shamrock Duo" mit historischen Klängen an Flöte und Harfe. Später luden der Marktausschuss und der Arbeitskreis "475 Jahre Rückershäuser Markt" zu einem rustikalen Büffet. Beliebtes Souvenir war unterdessen der Jubiläumsbecher aus echtem Westerwälder Steingut, den die Besucher erwerben konnten.

Am Sonntag folgte die in Reimform verfasste Marktpredigt von Pfarrer Heiko Wulfert in der Kirche und danach ein historischer Markt mit 18 Ständen am Bürgerhaus. Feil geboten wurde Handwerkskunst sowie allerlei Herbst- und Adventsschmuck. Dachdeckermeister Rainer Merkel aus Rückershausen zeigte das alte Handwerk des Leiendeckers während Holger Höhler mit seiner mobilen Obstbrennerei zu Gast war. Am Sportlerheim konnten sich die Besucher im Axtwerfen und Bogenschießen üben.

Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de

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