"Dies ist die kleinste Kelterei in der Region"

Michael Geier stellt in Rückershausen Apfelsäfte- und weine her / Naturschutzarbeit mit Schülern der Umgebung

Vom 09.08.2008

Von

Till Frommann

UNTERTAUNUS Zu übersehen ist die Rückershäuser Kelterei nicht: Über dem Eingang hängt als Plastik ein riesiger, roter, reifer Apfel. Dort, in der Friedrich-Ebert-Straße 15, arbeitet Michael Geier als Kelterer und Apfelexperte. Dort hält er Vorträge über Streuobstwiesen, über Naturschutz und lässt Apfelsäfte und Apfelweine probekosten.

"Dies ist die kleinste Kelterei in der Region ", kokettiert er bei einem Vortrag, erwähnt aber sofort danach, dass es die einzige in dieser Gegend ist. Daraus könnte man natürlich auch schließen, dass es nicht nur die kleinste Kelterei, sondern auch die größte Apfelverwertungseinrichtung in der Gegend ist.

Und wie entsteht überhaupt Apfelsaft? Eines möchte er nicht nur Kindern klar machen: "Apfelsaft kommt nicht aus den Trinkpäckchen, sondern tatsächlich aus dem Apfel", sagt der 59-Jährige.

Seit 1981 betreibt Geier die Kelterei. Als Hobby? "Das ist kein Hobby, das ist staatlich angemeldet", antwortet er auf die Frage. "Ich werde nicht reich damit, aber es trägt sich selbst." Seine Produkte verkauft er direkt vor Ort und lässt sie vom Getränkemarkt Stell in Kettenbach vertreiben. "Das meiste verkaufe ich jedoch wirklich über Direktvermarktung und nachdem ich in der Kelterei Vorträge gehalten habe." So wie eben gerade: Über 40 Interessierte hören ihm bei seiner frei gehaltenen Rede zu und probieren Apfelsäfte, nippen an einem naturtrüben Getränk und vergleichen ihn mit dem klaren Apfelsaft, den sie davor probiert hatten.

Michael Geier verdeutlicht seinen Zuhörern, wie wichtig Streuobstwiesen für den Naturschutz sind. Seltene Pflanzen wie die Wildtulpe würden darauf gedeihen können, und auch viele Schmetterlinge würde es dort geben wie etwa den Bläuling, den Schmetterling des Jahres. Im Informationsmaterial der "Streuobstroute Nassauer Land", bei der sich Geier engagiert, heißt es: "Die Bedeutung der Obstwiesen für den Naturschutz ist unschätzbar." Untersuchungen hätten ergeben, dass dieser Lebensraum von bis zu 1900 Tierarten bewohnt werde.

Unter der Dachorganisation "Streuobstroute Nassauer Land" sind Vereine organisiert, die sich für eine zusammenhängende Streuobstroute und deren Einrichtung und Sicherung engagieren und dafür, weitere Wiesen einzurichten. Für den "Streuobstkreis Aartal" ist Geier zuständig.

"Auf unseren Wiesen arbeiten wir biologisch und verwenden keine Spritzmittel", erklärt er während seines Vortrags und fügt hinzu, dass Apfelsafttrinker und Apfelweintrinker Naturschützer seien, weil sie damit diesen Anbau unterstützen würden. Und überhaupt! Apfelwein sei, in Maßen getrunken, sehr gesund: Das Getränk würde zum Beispiel die Durchblutung fördern, erklärt er.Eugen Gerber hat sich den Vortrag des Apfelexperten angehört. "Ich würde gerne einmal einen Apfelbrand probieren", sagt er, "davon habe ich nämlich noch nie gehört." Kein Problem: Michael Geier gießt ihm ein Gläschen ein. Gerber nippt daran. "Sehr trocken", urteilt er, "aber mein Ding ist es nicht." An Geiers Schule, der Carl-von-Ossietzky-Schule in Wiesbaden, gibt es immer wieder gemeinsame Projekte mit den Schülern und der Wiesbadener Werkstatt für Behinderte: Gemeinsam pflücken sie Äpfel, schneiden die Bäume und pflegen die Biotope.

"Die Projektwochen sind mindestens einmal im Jahr, manchmal aber auch öfter", sagt Michael Geier. Doch auch außerhalb der Projektwochen kümmern sie sich um die Streuobstwiesen. Einige seiner Schüler lassen sich von diesen Gebieten zu ihren Facharbeiten inspirieren und arbeiten zum Beispiel ein Jahr lang über die Mäuse und Hornissen, die sich dort aufhalten.

Weitere Informationen zu der Kelterei gibt es im Internet www.apfelmost.de.

Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/objekt.php3?artikel_id=3384985&rub=3

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