Regionalnachrichten aus der Zeitung Aar-Bote

Alte Kultur wird Kult

Großer Andrang bei der Probe des neuen Apfelweins


Lars Kochendörfer (4. von links) sticht das Fass an. Appelwoiprinzessin Alisa I. und Sabine Best sowie der Moderator des Abends Michael Geier helfen ihm dabei. Foto: wita / Udo Mallmann

Vom 27.01.2009

IDSTEIN/AARBERGEN. Es bedurfte nur eines kräftigen Schlages mit dem Holzhammer - dann war das erste Apfelweinfass der Ernte 2008 angezapft und das "Stöffche" floss schäumend in die Bembel, um von der großen Anhängerschar im "Felsenkeller" sogleich verkostet zu werden.  

Von

Beke Heeren-Pradt

"Ah", "Oh" und vor allem "Mmh" hörte man, als Wirt und Kellermeister Lars Kochendörfer, assistiert von Landrat Burkhard Albers, den Fassanstich vornahm und die ersten Proben gekostet wurden. Zum vierten Mal hatte der Verein "Streuobstroute Nassauer Land" eingeladen zum Fassanstich im "Felsenkeller". Etwa 60 Gäste waren gekommen, um dabei zu sein, zu probieren und die anschließende Apfelweinprobe mit verschiedensten Apfelweinen unterschiedlicher Herkunft zu erleben.

Apfelwein ist Kult. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren hat sich das Getränk von seinem altbackenen Image befreit und ist in Genießerkreisen auf Siegeszug gegangen. "Über den Kult "Apfel und Apfelwein", so Landrat Albers in seinem Grußwort, "ist eine neue Kultur entstanden, die die Region belebt."

Auch Ulrich Kaiser aus Wiesbaden, Vorsitzender des Vereins "Streuobstroute", berichtet von großen Zuwächsen in den mittlerweile zehn Jahren seit Gründung des Vereins. Bei aller Globalisierung der modernen Welt sei verstärkt eine Hinwendung zur Region zu spüren. Das Interesse für die alte Kulturlandschaft Streuobstwiese und deren Früchte resultiere genau daraus. Da haben die Aktiven dieser Bewegung, die er als altersgruppenübergreifend und aus allen politischen Lagern erlebt, sehr viel in Gang gesetzt, was seinen Endpunkt noch nicht erreicht habe. Neben dem Apfelwein wird heute viele Variationen hergestellt und angeboten wie Likör, Sherry, Apfelsecco. Vor allem letzterer erfreue sich riesigen Zuspruchs.

"Ohne Nutz kein Schutz" - das ist das Motto des Vereins, der auch deshalb den Absatz der Apfelerzeugnisse noch steigern möchte, weil vor allem durch die Nutzung der Streuobstwiesen deren Pflege und Erhaltung gewährleistet ist. Und genau dies lasse sich auch im Idsteiner Land sehr gut beobachten.

Von einer unglaublichen Ernte im vergangenen Herbst war bei allen Anwesenden die Rede. Überall hatte man tonnenweise die Äpfel geerntet, gekeltert, als Most bereits getrunken und zur Weinherstellung auf Fässer gelegt. 8000 Liter hat allein der Idsteiner "Felsenkeller" im Herbst produziert. Lars Kochendörfer führte die fachkundigen Apfelweinkenner durch seine historischen Gewölbe, die höchstwahrscheinlich schon vor dem Bau des Hauses 1810 in den Fels gebaut worden waren. Gleichmäßige Temperaturen über das ganze Jahr von 13 bis 17 Grad herrschen dort - eine ideale Umgebung für die Reifung des Apfelweines. Schon seit hundert Jahren wird der "Felsenkeller" als Apfelweinkeller genutzt.

Bei der anschließenden Apfelweinprobe unter Leitung von Michael Geier aus Aarbergen zeigte sich, dass auch Apfelweintrinker wortgewandte Genießer sind. Farbe, Duft, Geschmack wurde bei jeder Probe (deren Hersteller zum großen Teil selbst anwesend waren) mit viel Fantasie beschrieben, dem "Abgang" jeweils nachgespürt. Und probiert wurde nicht nur die aktuelle Ernte, sondern auch Wein, Sherry und sogar ein Apfelrosé, die wie Traubenwein, schon wesentlich älter waren. Vor allem die Neuheiten Apfelsherry und -rosé versetzten das anwesende Fachpublikum in Begeisterung. Dass Apfel Kult ist, wurde hier den Besuchern eindeutig klar.

Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/objekt_a.php3?artikel_id=3605357

Zurück