Eine Lobby für die Opfer des Krieges


07.04.2009 - AARBERGEN

Von Ilse Heindrich


Bei der Feier (von links): Landrat Burkhard Albers, VdK-Kreisvorsitzender Ewald Jandl, Laudator Wolf Schrader, geehrtes Gründungsmitglied Willy Euler, Ortsvorsitzender Klaus Walter und Bezirksvorsitzender Herbert Schneider. Foto: wita / Martin Fromme

Vor 60 Jahren gründete sich der VdK Rückershausen / Lob für engagierte Mitglieder

AARBERGEN. Viel Lob für sein besonderes Engagement erntete der VdK-Ortsverein Rückershausen, als er am Samstag im Bürgerhaus sein 60-jähriges Bestehen feierte.

Ein nahezu "volles Haus" konnte der Vorsitzende Klaus Walter begrüßen, denn neben Mitgliedern und Ehrengästen waren auch viele Freunde aus dem Aarbergener Ortsteil gekommen. Mit frischen Liedern eröffnete der Phoenix-Chor Rückershausen die Feierstunde, sang in einer afrikanischen Weise vom steinigen Weg, der zurückgelegt werden muss, dann hoffnungsvoll "Amacing Grace" und erntete vom Publikum freudigen Applaus.

Nicht weniger begeistert zeigte sich die Festgesellschaft am Schluss von den Liedbeiträgen der Frauen und Männer des MGV Rückershausen, teils getrennt, teils gemeinsam vorgetragen.

Aarbergens Altbürgermeister und Ehrenbürger Wolf Schrader ließ in seiner mit viel Lokalkolorit gewürzten Laudatio die Geschichte des im Dorfleben fest verankerten VdK-Ortsvereins lebendig werden. Dabei konnte er auf die Erinnerungen des einzigen noch lebenden Mitbegründers zurückgreifen: Willi Euler, der von 60 Jahren Mitgliedschaft 46 im Vorstand wirkte und an diesem Nachmittag noch für seine Treue und Beständigkeit vom VdK-Landesverband zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

"Das war schon ein komischer Haufen", soll Euler auf die Frage nach den Anfängen spontan erklärt haben. Damit meinte er die vier Frauen und elf Männer, die es sich in Rückershausen 1949 mit der Gründung einer Schutzgemeinschaft zur Aufgabe machten, denen zu helfen, um die sich keiner kümmerte: Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene, die damals keine Lobby hatten und schier aussichtslose Kämpfe mit dem Amtsschimmel ausfechten mussten.

Unter welchem Namen auch immer, die Unterstützung durch den neuen Verein war für sie ein Segen. Der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands VdK konstituierte sich erst 1950, führte Schrader aus. Da war die örtliche Gruppe mit ihrem Vorsitzenden Eugen Schumacher schon voll aktiv, und die Rückershäuser standen hinter ihr. Als das Leben Anfang der 60er Jahre wieder leichter wurde, sank die Mitgliederzahl kurzfristig von 89 auf 46.

Heute hat der VdK Rückershausen 125 Mitglieder im Alter zwischen 22 und 86 Jahren. Wie in jedem Verein wurde auch beim VdK Rückershausen die Geselligkeit gepflegt, es gab fröhliche Treffen und Ausflüge, an die man sich heute noch erinnert. Und wenn es im Ort etwas zu feiern gab, war der VdK aktiv dabei. So wie heute noch, zum Beispiel beim Rückershäuser Markt.

Schrader erinnerte an die Vorsitzenden der örtlichen VdK-Geschichte und lobte - wie auch die meisten seiner Nachredner - insbesondere Klaus Walter, der seit 2001 an der Vereinsspitze steht und sich zusammen mit seinen rührigen Mitstreitern im Vorstand besondere Verdienste erworben habe. Allen sprach er Dank und Hochachtung aus, denn: "Was wäre unsere Demokratie wert, wenn es nicht diese kleinen, aber eminent wichtigen Bausteine auf Ortsebene gäbe!" Dank sagte auch Landrat Burkhard Albers, denn die Ortsgruppe habe einen Beitrag geleistet zur Metamorphose des VdK vom Anwalt für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene vor 60 Jahren hin zum größten Sozialverband in Deutschland, der als Vertreter aller am Rande der Gesellschaft Stehenden heute so aktuell und wichtig sei wie nie.

Glückwünsche des VdK-Bezirksverbandes überbrachte Herbert Schneider, der daran erinnerte, dass "die Leistung in den Ortsgruppen stattfindet" und zum Dank dafür eine Urkunde des Landesverbandes Hessen-Thüringen überreichte. Der Kreisvorsitzende Ewald Jandl gratulierte im Namen der über 4000 VdK-Mitglieder im Kreis und nannte sie eine große Familie.

Zu den weiteren Gratulanten gehörten Manfred Schaaf in Vertretung von Bürgermeister Udo Scheliga, Ortsvorsteher Harald Gabel, Pfarrer Martin Meuser für die katholische Pfarrgemeinde und last not least der Marktausschuss-Vorsitzende Thomas Jung, der stellvertretend für alle Rückershäuser Vereine Dank und Anerkennung aussprach. Die Ehrung des letzten noch lebenden VdK-Mitbegründers Willi Euler mit Urkunden und Ehrenmitgliedschaft nahmen der Bezirksvorsitzende Herbert Schneider und der Kreisvorsitzende Ewald Jandl vor.

Quelle: http://http://www.wiesbadener-kurier.de/region/untertaunus/aarbergen/6657083.htm

Zurück