Begeisterung für das Singen
JUBILÄUM MGV Rückershausen schaut auf 125 bewegte Jahre zurück / Akademische Feier zum Auftakt

Vom 29.06.2009
Von
Ilse Heindrich
AARBERGEN. Fahnen flattern in Rückershausen, denn der Aarbergener Ortsteil feiert seinen ältesten Verein: Der MGV 1884 sieht auf 125 erfolgreiche Jahre zurück. Das Fest begann am Samstag mit einer akademischen Feier und wird am kommenden Wochenende mit drei Konzerten den Ort in Musik eintauchen.
Das Motto "125 Jahre Chorgesang in Rückershausen" beherrschte die geschmückte Bühne im Bürgerhaus und die liebevoll zusammengestellte Festschrift, die sich die zahlreich herbeiströmenden Besucher zur Erinnerung mitnehmen konnten. Bilderwände im Eingangsbereich erzählten von alten Tagen und jüngeren Ereignissen.
Im rasch gefüllten Saal stimmte der Mandolinen-Club 1924 Oelsberg die Gäste musikalisch ein, bevor Edmund Gabel, seit nunmehr 36 Jahren Vorsitzender des Jubiläumsvereins, viel Zeit brauchte, um neben Mitgliedern und Freunden die zahlreichen Ehrengäste namentlich zu begrüßen. Er würdigte die verstorbenen Vorgänger, die den Verein aufgebaut und trefflich geführt haben und dankte den Aktiven, die ihn heute mit Leben erfüllen. Besonderer Dank galt Dirigentin Gabriele Uhl, die den Frauenchor seit über 20 Jahren und inzwischen auch den Männer- und den Gemischten Chor leitet.
Wie lebendig der Männerchor nach 125 Jahren ist, bewies er in zwei Liedbeiträgen, die zur Rede des Schirmherren-Paares Dr. Elke Klöppel und Dr. Ulrich Klöppel überleitete. Dr. Ulrich Klöppel erinnerte an die Schullehrer, die den Verein in den Anfangsjahren formten und an die Ehrung des MGV durch die Zelterplakette, die ihn 1984 "in die edle Auslese der deutschen Chorvereine" einreihte. Den Zusammenschluss mit dem 1964 gegründeten Frauenchor und den immerhin neun Jahre lang erfolgreichen Kinderchor (1974 bis 1983) erwähnte Dr. Elke Klöppel als Beispiele für die Fähigkeit des Vereins, immer wieder neue Aktive für die gemeinsame Sache zu begeistern. Und nicht zuletzt hob die Ärztin die positive Wirkung des Singens auf die Gesundheit hervor, denn Singen sei unter anderem gut für die Atmung, schule das Gedächtnis, baue Stress ab und stärke die Lebenskräfte.
Bürgermeister Udo Scheliga zeigte sich stolz auf den Verein, der nun schon mehrere Generationen durch das Leben begleitet hat. "Musik ist Trumpf", verkündete Landrat Burkhard Albers, der (wie alle Redner) die besondere Leistung des Vorsitzenden Edmund Gabel und seiner Stellvertreterin und Vorsitzenden des Frauenchors Gisela Pelzl wie auch die Kontakte zu ausländischen Chören hervorhob und Lacher erntete, als er nach Überreichung eines Umschlags Bürgermeister Udo Scheliga für die pünktliche Überweisung der Kreisumlage dankte.
Die Laudatio hielt in bewährt humorvoller Weise Aarbergens Altbürgermeister und Ehrenbürger Wolf Schrader. Er monierte, dass bei der Gründung des MGV "Germania" vor 125 Jahren durch 20 Freunde des Gesangs der Ortsname Rückershausen nicht auftauchte und dass es heute keine Festjungfrauen mehr gibt. Wieder hatte er kleine Begebenheiten ausgegraben, die seinen Rückblick auf Vereinsleben, Dirigentenwechsel, wenige Misserfolge und sehr viele großartige Erfolge bei Wettbewerben Lebendigkeit verliehen. Etwa wie anno 1949 der neue Dirigent Hubert Weller mit Geigenkasten im Rucksack vom Bahnhof her in der Gosse laufend in Rückershausen eintraf. Oder wie nach ihm Heidi Weller (sie saß beim Empfang in der ersten Reihe) "wie ein Hurrikan" den Frauenchor auf Vordermann brachte.
Freundschaft mit Sängern in Kärnten und Israel, Schallplattenaufnahmen, Sängerreisen, und Theateraufführungen ließ Schrader Revue passieren. Wie auch er dankte danach der Sängerkreis-Vorsitzende Gerhard Hofe besonders dem MGV-Vorsitzenden für sein Wirken, bevor er den Sänger und Vizechorleiter Bernd Schön für 25 aktive Jahre im Verein mit der Silbernen Ehrennadel auszeichnete.
"Wir sind ein richtig guter Gesangverein" stellte Ortsvorsteher Harald Gabel in seinem gereimten Grußwort fest. Zu den Grußrednern gehörte auch der Vorsitzende des Marktausschusses, Thomas Jung, der im Namen aller Ortsvereine gratulierte.
Hoch emotional wurde es im Bürgerhaus beim Auftritt eines Quartetts aus Klagenfurt, das mit seinen Liedern ans Herz und die Rückershäuser Freunde fast zu Tränen rührte. Den Gesangverein gibt es gar nicht mehr - aber die Vier sind gekommen. Im Laufe der Veranstaltung präsentierten sich freilich auch der Frauen- und der Gemischte Chor des Jubiläumsvereins mit begeistert aufgenommenen Liedbeiträgen. Der Oelsberger Mandolinen-Club entließ die Festversammlung schließlich beschwingt in einen Nebenraum, wo ein reich bestücktes Buffet zum Verweilen einlud.
Quelle: http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3810752