Tausend Sänger in Rückershausen
03.07.2009 - AARBERGEN
Von Ilse Heindrich
JUBILÄUM MGV 1884 feiert 125-jähriges Bestehen mit großer Festwoche / 35 Chöre zu Gast
Die Jubiläums-Festlichkeiten des MGV 1884 Rückershausen, die am Wochenende mit einem bewegenden Gottesdienst und der Kranzniederlegung auf dem Friedhof sowie einer akademischen Feier begannen, gehen weiter. Am Freitag und am Samstag, 3. und 4. Juli, ist im Festzelt ein großes Freundschaftssingen angesagt.
35 Chöre mit rund 1000 Sängern haben ihr Mitwirken angekündigt. Die meisten kommen aus der Region dies- und jenseits der Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. Beide Jubiläumskonzerte beginnen um 19.30 Uhr.
Am Sonntag, 5. Juli, ab 11 Uhr beschließt dann ein Sonntagskonzert mit dem Landespolizeiorchester Hessen den Jubiläumsreigen. An allen drei Tagen ist der Eintritt frei.
Auch dieses Jubiläum wird sich als "Highlight" in die Chronik des ältesten Rückershausener Vereins einreihen.
Es gibt viele Meilensteine in seiner langen Geschichte. 19 sangesfreudige Männer aus dem Dorf haben den Verein als MGV "Germania" zu einer Zeit gegründet, als Musikerlebnisse - mangels Radio und MP3-Player - noch selten waren. Lehrer Kern dirigierte den Chor zehn Jahre lang, bevor er von den Kollegen Landsiedel und danach Buchholz, der den Sängern sogar 18 Jahre die Treue hielt, abgelöst wurde.
Das 25-jährige Bestehen feierte der MGV 1909 als Mitglied im Aartal-Sängerbund. Aus dem Ersten Weltkrieg kamen fünf Sangesbrüder nicht mehr heim. 1920 wurde ein zweiter Gesangverein mit Namen "Liederblüte" gegründet, doch beide Vereine schlossen sich noch im gleichen Jahr zusammen und traten von da an als "MGV 1884 Rückershausen" auf.
1924 schloss sich der Verein dem Untertaunus-Sängerbund an. An Konzerten und Gesangswettbewerben beteiligten sich die Rückershausener gerne und mit immer größeren Erfolgen. Dann war wieder Krieg, in dem acht gefallene und vier vermisste Chormitglieder betrauert wurden. Die erste Nachkriegs-Chorprobe fand im März 1947 statt, mit Theodor Walter als Vorsitzendem und Lehrer Bauer als Dirigent.
Richtig in Schwung kam der Chorgesang 1949, als Hubert Weller den Taktstock in die Hand nahm - und 41 Jahre lang behielt. Die Rückershausener, inzwischen Mitglied im Allgemeinen Deutschen Sängerbund, feierten unter ihm große Erfolge und nahmen sogar an Bundes-Chorkonzerten und Bundesleistungssingen teil. Der heutige Ehrenvorsitzende Karl Satony trat 1954 an die Vereinsspitze und blieb dort 19 Jahre lang.
Ein Glücksfall für den MGV 1884 war zweifellos 1964 die Gründung eines Frauenchors durch Lydia Glaßer, dessen musikalische Leitung vier Jahre später Heidi Weller übernahm.
Und wieder bürgte der Name Weller für Qualität und Erfolg. Der Frauenchor wurde eine Abteilung des MGV und bewirkt, dass der Jubiläumsverein inzwischen "auf drei Beinen steht": Männerchor, Frauenchor und gemischter Chor. Dem 1974 gegründeten Kinderchor gingen nach neun Jahren die Kinder aus.
1973 wählte der Verein Edmund Gabel zum neuen Vorsitzenden, der heute noch an der Spitze des MGV 1884 steht und für sein Engagement bereits mit der Verdienstmedaille zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde. Ihm zur Seite steht seit vielen Jahren als erfahrene Stellvertreterin die Frauenchor-Vorsitzende Gisela Pelzl.
Im Jahr 1976 machte die Gaststätte Muth-Fensterseifen dicht, womit der MGV sein seit 80 Jahren vertrautes Vereinslokal verlor. Mit der Einweihung des Bürgerhauses bekam er 1978 wieder eine Heimat.
1979 begann die Zeit der Konzertreisen nach Österreich und im Jubiläumsjahr 1984 wurde dem MGV die Zelter-Plakette verliehen.
Die Gründung eines als Projektchor gegründeten Jugendchores endete leider mit dessen Abspaltung. Auch der gemeinsame Dirigent Carsten Trost ging verloren, doch Thorsten Weber, der ihm folgte, erwies sich als Glücksgriff.
Und als Weber - zum Bedauern der Sänger - 2005 fortzog, übernahm Gisela Uhl, seit 1987 Dirigentin der Frauen, den Gesamtchor.
Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/untertaunus/aarbergen/7055540.htm