Wochenende mit Frau Musika
06.07.2009 - AARBERGEN
Von Ilse Heindrich
ERFOLG MGV 1884 Rückershausen krönt sein 125-jähriges Bestehen mit Konzerten und musikalischem Frühschoppen

Zwei laue Sommerabende voll Chorgesang und schließlich am Sonntag ein schwungvoller Frühschoppen mit dem Landespolizeiorchester Hessen bildeten den dreitägigen Höhepunkt und Abschluss des großen Sängerjubiläums in Rückershausen.
"Richtig feiern" wollte der MGV 1884 Rückershausen sein 125-jähriges Bestehen, und das ist ihm gelungen. Am Freitag und am Samstag gratulierten beim Freundschaftssingen 31 Gesangvereine aus dem ländlichen Raum zwischen Mainz-Bretzenheim, Taunusstein, dem Rheingau und dem Westerwald mit ihren Liedern. Erstaunlich groß war die Zahl der rheinland-pfälzischen Sänger, was wieder einmal bewies, dass Musik keine Grenzen kennt.
Vier blieben fern
Nur vier der angemeldeten Chöre traten nicht auf, teils weil ihnen tragende Stimmen fehlten. Da spielten offenbar auch drohende Gewitter und die derzeit anstehende Heuernte eine Rolle. Obgleich man sich auf einige von ihnen besonders gefreut hatte, fiel ihr Fehlen im Programm nicht sehr auf, denn das musikalische Angebot reichte aus für gut drei Stunden Gesang am Freitag und noch einmal vier Stunden am Samstag.
Jeder Verein sang drei Lieder, wobei sich zeigte, wie vielseitig Chorgesang heute ist. Das Repertoire reichte von klassischer Chormusik über Volks- und Weinlieder, Gospelgesang und Musical bis hin zu Pop, etwa von Udo Jürgens, Reinhard Mey, Herbert Grönemeyer oder Abba.
Die Männer, so scheint es, neigen eher zu traditionellen Chorliedern, während es die singenden Frauen moderner lieben. Jeder Chor gab sein Bestes, und nicht nur den großen, stimmgewaltigen Gesangvereinen gelangen umjubelte Programm-Höhepunkte.
Als bewährter Moderator fungierte Ralf Bach, der oft Mühe hatte, sich gegen die allgemeine Lust am Plaudern durchzusetzen. Ein Phänomen, das an beiden Abenden auffiel. Genial wurde ein Chorleiter damit fertig, indem er mit ernstem Blick die Stimmgabel so lange aufs Publikum richtete, bis Ruhe im Zelt herrschte. Allerdings muss man den betreffenden Zuhörern zugute halten, dass sie angesichts des raschen, reibungslosen Wechsels zwischen den 31 Chorauftritten und der Pausenfüller des Moderators wenig Gelegenheit hatten, über das gerade Gehörte zu reden.
An beiden Abenden begrüßte Edmund Gabel, Vorsitzender des Jubiläumsvereins, Sänger und Publikum mit herzlichen Worten. Am Samstag konnte er von Brigitte Rhein, Vorstandsmitglied des Hessischen Sängerbundes, eine Urkunde des Deutschen Sängerbundes und eine Ehrenurkunde des Hessischen Kultusministeriums entgegennehmen.
Einladendes Festzelt
Lob gebührt dem Festausschuss des Jubiläumsvereins für die gute Organisation der beiden Veranstaltungen. Nicht nur der Konzertablauf, sondern auch der Rahmen stimmte. Das große, mit Bänken und Tischen bestückte Festzelt am Bürgerhaus wirkte einladend und bot - wie auch die geschmückte Bühne - genügend Raum. An Grill- und Getränkeständen davor bot sich Sängerfreunden und Publikum von ihrer Ankunft bis in die Nacht hinein Erfrischung und Stärkung an.
Dem verführerischen Duft herzhafter Spezialitäten konnten sich offenbar nur wenige entziehen, was dazu führte, dass der MGV-Vorsitzende Edmund Gabel am Freitagabend zweimal Steaks nachkaufen musste. Und beim Brutzeln kam neben anderen fleißigen Helfern auch Ortsvorsteher Harald Gabel ins Schwitzen.
Beim musikalischen Frühschoppen am Sonntag konnte der Jubiläums-Chor, bis dahin mit Gastgeber-Pflichten voll eingedeckt, endlich auch zeigen, dass er gut singen kann. Seinem Vorsitzenden Edmund Gabel dankte er für seine Verdienste mit herzlichen Worten und einem Gutschein für einen dreitägigen Schwarzwald-Aufenthalt. Besonderer Ehrengast war an diesem Vormittag "Untertaunus-Legende" Dr. Herbert Günther, einst Landrat und danach hessischer Staatsminister, der unermüdlich sein gerade erschienenes Buch signierte. Das Landespolizeiorchester sorgte derweil mit flotter Musik dafür, dass so mancher Radwanderer unversehens den vorbeiführenden Aartal-Wanderweg verließ und im Festzelt Station machte.
Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/untertaunus/aarbergen/7067414.htm