Einwohner sollen Ideen beisteuern
19.11.2009 - AARBERGEN
Von Thorsten Stötzer
DORFERNEUERUNG In Rückershausen formieren sich die Arbeitsgruppen und ein Verein
Langes Warten hat dem Interesse an der Dorferneuerung in Rückershausen keinen Abbruch getan. 45 Bürger besuchten die Auftaktveranstaltung, die erst elf Monate nach der Übergabe der Bescheide erfolgte. "Es lag nicht an uns, wir hätten gerne schon im Januar beginnen können", beteuerte Ortsvorsteher Harald Gabel (SPD) und verwies auf Turbulenzen auf der Landesebene.
So haben die "hessischen Verhältnisse", verbunden mit Neuwahlen und fehlendem Haushalts-Beschluss, die Rückershausener aufgehalten. Ähnlich wie Aarbergens Bürgermeister Udo Scheliga (CDU) sprach Gabel davon, dass "fast ein Jahr ins Land gezogen ist, in dem nahezu nichts passiert" sei. Umso größer scheint nun aber der Wille zu sein, die Ortschaft bis 2017 im Rahmen der Dorferneuerung aufzuwerten.
Rückershausen soll als dritter Ortsteil Aarbergens nach Michelbach und Daisbach auf diese Weise seine Stärken als attraktives Dorf zum Wohnen und Leben weiter entwickeln. Aktuell nehmen neun Orte im Rheingau-Taunus an dem Programm teil, hieß es von Seiten des zuständigen Amts für den ländlichen Raum aus Limburg.
Zunächst steht eine halbjährige Moderationsphase an. In ihr soll ein Dorfentwicklungskonzept als "Fahrplan" entstehen. Den Prozess begleitet das Planungsbüro Holger Fischer aus Linden in Mittelhessen. Sein Mitarbeiter Julian Adler legte aus der Perspektive eines Außenstehenden die Eindrücke dar, die er von Rückershausen gewonnen hat.
Eigentlich bestehe das Dorf aus zwei Siedlungskörpern mit der Aar und der Bahnlinie dazwischen, erklärte er. Breite Straßen, die lange und gerade verlaufen, nannte der Diplom-Geograf als ein besonderes Merkmal Rückershausens, das sonst untypisch sei für alte Dörfer. Auf seine Frage "wo ist die Ortsmitte?", reagierten die Einheimischen mit dezentem Lachen. Laut der Meinung Adlers lässt sich bei der Suche nach einem internen Zentrum am "untergenutzten" Buswendeplatz nahe der Aar "durchaus anknüpfen".
Wie alle Fachleute an dem Abend betonten, sollen in den nächsten Jahren hauptsächlich die Einwohner Ideen zum Programm beisteuern und es voran treiben. "Sie sind der wichtigste Part", ermunterte Scheliga die Besucher. Martin Fortmann vom Amt für den ländlichen Raum leitet die Dorferneuerung in Rückershausen. Die Bürgerbeteiligung hob er hervor mit den Worten, dass die "Experten vor Ort" sich einbringen sollten.
Im Bürgerhaus lagen Listen aus für zwei Arbeitsgruppen, die sich jetzt formieren. Die erste trägt den Titel "Ortsbildgestaltung, Versorgungsinfrastruktur, Wirtschaft und Verkehr". Eine Gebäude- und Infrastrukturanalyse existiert bereits. Die zweite Gruppe beschäftigt sich mit den Themen "Soziales Umfeld und soziale Infrastruktur, Freizeit und Tourismus". In die entsprechenden Listen trugen sich jeweils mehr als ein Dutzend Leute ein.
Einige Bürger fragten, wie es um die Finanzen bestellt sei. Bei den öffentlichen Maßnahmen steht ein Fördersatz des Landes von 60, 65 oder 70 Prozent im Raum, fixiert sei er noch nicht. Bürgermeister Scheliga will sich in den Gremien der Gemeinde dafür stark machen, dass die nötigen kommunalen Mittel bereit stehen. Privatleute können mit bis zu 30 Prozent Zuschuss rechnen, sagte Eckhard Mascus (Amt für den ländlichen Raum).
Viel Lob gab es für eine Initiative, die aus dem Ort heraus entstanden ist. Im Oktober hat eine bereits bestehende Gruppe Aktiver den Verein "Rückershausen - Unser Dorf" gegründet, der sich beim Markt mit einem Stand präsentiert hat.
Als Vorsitzender fungiert Ortsvorsteher Harald Gabel. Vereinszweck ist es, die Dorferneuerung zu flankieren und kulturelle sowie soziale Projekte zu fördern.
Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/untertaunus/aarbergen/7891082.htm