Nur die Baracken am Hang stören positiven Eindruck
08.12.2009 - AARBERGEN
DORFERNEUERUNG Strukturanalyse zu Rückershausen/Problem Leerstand
(tst). Ein verheerender Brand im August 1857 ist dafür verantwortlich, dass Rückershausen heute breite Straßen besitzt und ein wenig anders ausschaut als die meisten Ortschaften im Untertaunus. "Ortsbildprägende typische Bebauung" gebe es vor allem in der Friedrich-Ebert-Straße und in der Limburger Straße heißt es in einer neuen Gebäude- und Infrastrukturanalyse.
Erstellt hat die Studie das Architekten- und Ingenieurbüro Thomas Wagner aus Limburg. Sie soll die jetzt angelaufene Dorferneuerung in dem Aarbergener Ortsteil unterstützen. Den jetzigen Bestand an Gebäuden beurteilen die Fachleute günstig: Die Ursprungsfunktionen seien noch zu erkennen und der "Gesamtcharakter nicht durch unqualifizierte Sanierungen beziehungsweise Umbauten zerstört".
Zugleich gibt es Probleme mit Leerständen. 13 Anwesen in Rückershausen sind davon betroffen, fünf davon werden aber lediglich teilweise nicht mehr genutzt. Die Borngasse, die Friedrich-Ebert-Straße und die Limburger Straße tauchen in der Statistik mit jeweils drei leer stehenden Häusern auf, die kleine Gasse Klostereck mit zwei. In den nächsten fünf Jahren könnten laut Prognose vier Gebäude dazu kommen.
Der Gesamtanlage des Dorfes bescheinigt Wagner einen "hohen Identifikationsfaktor". In der Analyse finden sich positive Anmerkungen über Höfe, Nutzgärten, den Friedhof und den Obstbaumbestand. Begrüßt werden Pläne, einen Pavillon am Sauerbrunnen zu bauen und die Buswendeschleife aufzuwerten. Eine weitere Begrünung im Ort und entlang der Feldwege sei wünschenswert.
Kritisch steht der Experte Überlegungen gegenüber, nach denen im alten Dorfkern durch Gebäudeabriss eine Freifläche entstehen soll.
Am Rande der Siedlung gebe es auch etwas zu monieren: "Die Baracken am Hang, oberhalb des Ortes, stören stark den optisch positiven Eindruck des Ortes."
Wie sich der demografische Wandel niederschlägt, dokumentiert die Studie ebenfalls. Die Rückerhausener werden weniger und in ihrer Gesamtheit älter. 824 Einwohner zählt das Dorf demnach aktuell, der Höchststand betrug im Jahr 1998 mal 894 Menschen. Weiterhin steigt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung: Jetzt liegt er bei 43,21 Jahren, 1995 waren es 40,11 Jahre und 1970 erst 36,85 Jahre. 177 minderjährigen Einwohnern stehen mit 167 Köpfen annähernd so viele Personen gegenüber, die älter als 65 Jahre sind, so die Untersuchung.
Bei der Infrastruktur werden ferner noch Besonderheiten beleuchtet wie die Kläranlage, die eigenständige Wasserversorgung und die Lage am "Knotenpunkt historischer Straßen". Im 21. Jahrhundert sei Rückershausen "als Bindeglied zu den Kommunen in Rheinland-Pfalz prädestiniert".
Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/untertaunus/aarbergen/8008088.htm