Ruine soll für Dorfplatz weichen
01.03.2010 - AARBERGEN
Von Thorsten Stötzer
DORFERNEUERUNG Bei Ortsbegehung in Rückershausen werden Ideen vorgestellt

Format und Freitreppe zeugen noch davon, dass das Anwesen an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Borngasse in Rückershausen eine große Vergangenheit hatte. Bis in die 1970er-Jahre beherbergte das Gebäude eine Gastwirtschaft. Nun steht das Haus leer und zerfällt zur Ruine, das Grundstück soll trotzdem im Rahmen der Dorferneuerung wieder eine Mittelpunktfunktion erhalten.
Wie Ortsvorsteher Harald Gabel (SPD) bei einem Rundgang erklärt, soll an dem jetzt wüsten Fleck ein Dorfplatz entstehen. Ein kleines "Infrastrukturgebäude" mit Toiletten und Versorgungseinrichtungen sei ebenso vorgesehen für das neue "Herzstück" - zumal in Hinblick auf den beliebten Rückershäuser Markt. 500 Quadratmeter Fläche eröffnen einige Möglichkeiten an der markanten Straßenkreuzung. An diesem Tag steht die Gruppe allerdings noch vor einer heruntergekommenen Rückfront des Hauses, im Hof liegen Steine, Gestrüpp, eine Lampenglocke und ein alter Reifen.
Knapp 30 Bürger sind der Einladung zur Ortsbegehung gefolgt. Der Zeitpunkt biete sich an, weil mittlerweile zwei Arbeitsgruppen Grundlagen geschaffen hätten, erklärt Julian Adler vom Planungsbüro Fischer (Linden), das die Dorferneuerung begleitet.
Am Bürgerhaus beginnt der Rundgang und führt durch die Ortschaft zur Kirche. Gerne würde Gabel wieder einen Fußweg anlegen lassen, der eine kürzere Verbindung ermöglicht. Im Umfeld der Kirche kann die Kommune keine Entscheidungen treffen, weil sie nicht Eigentümer von Grund und Boden ist. Anders sieht es beim Ehrenmal für die Kriegstoten auf dem angrenzenden Friedhof aus.
Das Denkmal soll herausgeputzt werden, die Schrift ist aufzufrischen - eine kleinere Maßnahme, über die Einwohner und Experten nicht lange diskutieren. Der Sauerbrunnen, der eine Überdachung bekommen soll, und die Buswendeschleife, in deren Umfeld einmal Draisinen in einen Bahnhof einlaufen könnten, sind weitere Stationen der Tour. Bis 2017 läuft die Dorferneuerung in Rückershausen.
Viel Aufmerksamkeit widmen die Einheimischen zudem der alten Schule, die inklusive der ehemaligen Lehrerwohnung das Ortsbild unterhalb der Kirche bestimmt. Der Komplex hat multifunktionellen Charakter, der Kindergarten ist beispielsweise dort angesiedelt. Auf das Dach soll eine Solaranlage. Vor dem Eingang erstreckt sich eine wellige und rissige Asphaltfläche, aus der die Gullydeckel hervorstehen.
"Der Hof ist ziemlich trist", findet Wencke Elßner, die sich in beiden Arbeitsgruppen und dem Förderverein für die Dorferneuerung engagiert. Ein aufgemalter Fahrradparcours und Pflanzen in einem Beet könnten eher zum Spielen anregen. Größere Eingriffe verbieten sich jedoch, weil die Ausfahrt der Feuerwehr direkt am Kindergarten vorüber führt. Der Neubau eines Gerätehauses für Rückershausen und Hausen würde die Lage ändern.
Was dann mit dem alten Feuerwehrhaus geschähe, erscheint offen. Aarbergens Bürgermeister Udo Scheliga (CDU) bringt neben einer Umnutzung auch den Abriss ins Spiel. Im vorderen Abschnitt nutzen Kindergarten, Jugendclub, Kirchengemeinde und Marktgesellschaft das Gebäude. In das aufgegebene Naspa-Büro soll die Energieberatung einziehen. Außer einem Planungsbüro für die Dorferneuerung möchte Gabel außerdem im Dachgeschoss ein Heimatmuseum unterbringen und zwar "zentral für ganz Aarbergen".
Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/untertaunus/aarbergen/8515971.htm